DDR- HÄFTLINGSVERKAUF
Am 23. September 1976 orderte Schalck auf Honeckers Bitten bei einer Hamburger Firma "5000 Tonnen lagerfähige Äpfel" - zum Preis von zwei Millionen Mark, dem Gegenwert von 50 Häftlingen.

  • In einem der heikelsten Kapitel

    der deutsch-deutschen Geschichte, dem Freikauf von politischen Häftlingen aus der DDR, sind einmalige Beweisstücke verschrottet worden. Im Auftrag der Bundesregierung transportierte der Busunternehmer Arthur Reichert aus dem hessischen Schöneck-Kilianstädten in zwei eigens umgerüsteten Magirus-Deutz-Bussen die freigekauften DDR-Häftlinge aus dem Gefängnis Karl-Marx-Stadt (Chemnitz) in den Westen.
  • Zur Verschleierung der geheimen Transporte verfügten die Fahrzeuge über drehbare Nummernschilder mit angemeldeter Ost-Berliner Zulassung (IA-48-32) sowie einer Westnummer (HU-X 3). Kurz vor dem damaligen Grenzübergang Herleshausen wurden die Busschilder auf Knopfdruck gewechselt. Noch zu DDR-Zeiten wurden die Wechselschilder trotz Mahnung der Firmenchefin verschrottet, der Betrieb wurde später verkauft. " Die hätten wir gern gehabt", sagt heute Rainer Eckert, Leiter des Zeitgeschichtlichen Forums in Leipzig, einer Außenstelle des Bonner Hauses der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland.
  • Die Geschäfte begannen

    während der Regierungszeit Adenauers (Gesamtdeutscher Minister Rainer Barzel) und dauerten bis zur deutschen Wiedervereinigung. Sie wurden inoffiziell auf Regierungsebene ausgehandelt. Der erste Häftlingsfreikauf wurde Weihnachten 1962 vereinbart: 20 Häftlinge und ebensoviele Kinder kamen zum Preis von drei Eisenbahnwagons voll Kalidüngemittel frei.[1] Nachdem es zu Beginn noch um Einzelfälle ging, wurde das Geschäft nach dem Mauerbau zunehmend organisierter geregelt, da entlassenen Häftlingen die bisher übliche Alternative „Umzug in die Bundesrepublik“ fehlte. Und die DDR sah sich dem Sozialisierungsproblem gegenüber. In der Zeit zwischen 1964 und 1989 wurden insgesamt 33.755 Häftlinge freigekauft. Der Preis pro Häftling betrug anfangs durchschnittlich ca. 40.000 DM und stieg später auf knapp 100.000 DM. Vor deren Untergang wurden von Seiten der DDR aus finanziellen Gründen die meisten „Häftlingsfreikäufe“ durchgeführt, so dass der durchschnittliche Kaufpreis pro Häftling ca. 90.000 DM betragen hat. Offiziell bemessen wurde die Summe an dem angeblichen „Schaden“, den der Häftling in der DDR angerichtet haben soll (so die halbamtliche Begründung) und dem Ersatz für die (kostenlose) Ausbildung/Studium. Vertrauter von Erich Honecker und Unterhändler der DDR gegenüber der Bundesrepublik Deutschland für den sogenannten „Humanitärbereich“ (Häftlingsfreikauf, Ausreisen) war Professor Dr. h.c. Wolfgang Vogel, der später bis zu seinem Tode im bayerischen Schliersee lebte. Seine „Ansprechpartner“ im Westen waren u.a. Herbert Wehner, Helmut Schmidt, Hans-Jochen Vogel, Ludwig A. Rehlinger, Walter Priesnitz, Ludwig Geißel. Andere Kontakte mit dem Rechtsanwalt Dr. Jürgen Stange und Mitarbeitern aus dessen Westberliner Kanzlei wie z.B. Herbert Taubert und Barbara von der Schulenburg sowie zu Ministerialdirektor Edgar Hirt vom Bundesministerium für innerdeutsche Beziehungen in Bonn beförderten einen Skandal, der in den frühen 1980er-Jahren fast die humanitären Bemühungen zunichte geHäftlingsfreikauf Als Häftlingsfreikauf hat man inoffizielle Geschäfte zwischen der DDR und der Bundesrepublik Deutschland bezeichnet. Dabei hat die Bundesrepublik der DDR eine bestimmte Summe Devisen oder Waren bezahlt, um im Gegenzug politische Gefangene freizukaufen. Die Gefangenen wurden anschließend freigelassen und in die Bundesrepublik ausgebürgert. Der Häftlingsfreikauf begann im Jahr 1962 und hielt bis zum Ende der DDR an.